Angefangen hat es ziemlich früh.

Mit etwa fünf Jahren bekam ich mein erstes grosses Spielzeug aus Metall – eine Alfetta. Während andere damit vermutlich einfach gespielt hätten, versuchte ich bereits mit einem kleinen Hammer nachzumachen, was ich bei den Erwachsenen gesehen hatte: Metall bearbeiten.

Ob das Ergebnis damals technisch überzeugen konnte, sei dahingestellt. Die Begeisterung für Automobile hat es jedenfalls überlebt.

Als Jugendlicher stand für mich fest: Irgendwann muss ein Alfa Romeo her. Mit 18 wurde es ein Alfa Romeo Sprint..

Spätestens da war das Fieber endgültig ausgebrochen.

Aus Begeisterung wurde Beschäftigung.

Mit dem ersten eigenen Alfa Romeo war es längst nicht getan. Ich begann, Fachbücher und Fachzeitschriften regelrecht zu verschlingen und mich immer intensiver mit Fahrzeugen, ihrer Technik und ihrer Geschichte auseinanderzusetzen.

Mit Anfang zwanzig ging die Leidenschaft einen Schritt weiter. Wir kauften Fahrzeuge, reparierten sie und verkauften sie wieder. Damit liess sich nebenbei etwas verdienen – vor allem aber gab es ständig etwas Neues zu entdecken, zu verstehen und natürlich auch zu schrauben.

Über die folgenden Jahrzehnte kamen viele Klassiker. Manche blieben nur eine gewisse Zeit, andere wurden zu echten Wegbegleitern. Fahrzeuge wurden gekauft, gefahren, instand gesetzt und irgendwann wieder verkauft – meistens mit dem Gedanken, dass bestimmt noch etwas anderes Interessantes kommen würde.

So wurden aus ein paar Jahren mehr als vier Jahrzehnte aktive Beschäftigung mit klassischen Fahrzeugen.

Ein begonnenes Maschinenbaustudium gehört ebenfalls zu dieser Geschichte. Abgeschlossen habe ich es nicht – nennen wir es eine meiner Jugendsünden. Das Interesse daran, wie Dinge konstruiert sind und warum sie funktionieren, ist allerdings geblieben.

Später habe ich diesen Faden wieder aufgenommen und mir im Selbststudium technische und konstruktive Themen weiter erschlossen. Nicht mehr mit dem Ziel eines Abschlusses, sondern aus eigenem Antrieb und immer stärker verbunden mit konkreten Aufgaben und Projekten.

2020 wurde aus Leidenschaft eine Entscheidung.

Irgendwann kam der Punkt, an dem aus all diesen Jahren etwas Eigenes entstehen sollte.

2020 traf ich deshalb eine Entscheidung, die mir nicht leichtfiel: Ich verkaufte meine Fahrzeuge – bis auf einen Klassiker, der sich noch mitten in der Restaurierung befand. Ausgerechnet dieses eine verbliebene Fahrzeug sollte später den entscheidenden Anstoss für die Gründung von Prototypo Christidis geben.

Wer über Jahrzehnte Klassiker besitzt, weiss allerdings, dass man Fahrzeuge zwar verkaufen kann – die Erinnerungen daran offensichtlich nicht. Einigen meiner damaligen Schätze trauere ich bis heute ein wenig hinterher.

Aber ohne diesen Schritt gäbe es Prototypo Christidis in seiner heutigen Form nicht.

Aus einer Idee wurde Prototypo Christidis.

Die Entscheidung war 2020 gefallen. Bis daraus ein Unternehmen wurde, sollten allerdings noch einige Jahre vergehen.

2023 gründete ich in Wohlen in der Schweiz

Prototypo Christidis.

Das erste Projekt.

Der eine Klassiker, der 2020 geblieben war, befand sich noch mitten in der Restaurierung. Und ausgerechnet dieses Fahrzeug sollte für Prototypo Christidis eine entscheidende Rolle spielen.

Beim originalen Wastegate zeigte der Kühlkörper das bekannte Bild: Korrosion, Spannungsrisse und die Spuren vieler Jahre unter hoher thermischer Belastung.

Natürlich hätte man das Problem einfacher lösen können. Moderne Universal- und Tuning-Wastegates gab es zu kaufen. Aber genau das wollte ich nicht. Wenn ich einen klassischen Porsche restauriere, möchte ich seine ursprüngliche Technik erhalten – und nicht ein modernes Bauteil einbauen, nur weil es gerade verfügbar ist.

Ein gebrauchter Kühlkörper überzeugte mich genauso wenig. Vierzig Jahre alte Technik durch vierzig Jahre alte Technik mit unbekannter Vorgeschichte zu ersetzen, erschien mir nicht besonders sinnvoll. Einen Reparatursatz gab es nicht, komplette Ersatzlösungen dagegen nur für mehrere Tausend.

Dabei besteht das Wastegate konstruktiv aus mehreren Einzelkomponenten. Warum also eine komplette Baugruppe ersetzen, wenn nur eines ihrer Bauteile nicht mehr verwendbar ist?

Das erschien mir weder technisch sinnvoll noch besonders nachhaltig – und wirtschaftlich schon gar nicht.

Also blieb irgendwann die Frage: Warum mache ich den Kühlkörper nicht neu?

Damit fing es an.

Ich besorgte mir weitere gebrauchte Kühlkörper, verglich sie, liess Materialanalysen durchführen und suchte das Gespräch mit Fachleuten, die sich tagtäglich mit Werkstoffen und ihren Eigenschaften beschäftigen. Aus einer zunächst ziemlich einfachen Frage entstanden immer neue – und genau das machte die Sache interessant.

In dieser Zeit kamen auch zwei gute Bekannte aus meiner Studienzeit mit ins Boot. Das tat dem Projekt gut. Plötzlich war da nicht mehr nur meine Idee, sondern ein gemeinsames technisches Vorhaben, das zunehmend Gestalt annahm.

Als Werkstoffwahl und CAD-Daten schliesslich feststanden, kam die nächste Hürde: Finde jemanden, der genau diese Legierung verarbeiten kann, das benötigte Giessverfahren beherrscht und sich obendrein auf eine solche Kleinserie einlässt.

Als dieser Partner gefunden war, begann der Stein zu rollen.

Aus dem ersten Kühlkörper entwickelte sich Schritt für Schritt mehr. Die Beschäftigung mit dem Wastegate blieb nicht bei einem einzelnen Bauteil – nach und nach entstand daraus die Grundlage für die heutigen Wastegate- und Bypassventil-Komponenten von DynClass MOTORS.

Der Name ist bewusst gewählt. Prototypo Christidis steht für Einzigartigkeit und für die Freiheit, aus einem Gedanken etwas Eigenes entstehen zu lassen.

Denken, gestalten, konstruieren und umsetzen.

Nicht jede Idee beginnt mit einem fertigen Plan. Manchmal ist da zunächst nur eine Vorstellung, eine Form, eine Funktion oder eine Frage, für die es noch keine überzeugende Antwort auf eine Lösung gibt.

Genau dort beginnt für uns die eigentliche Arbeit.

Prototypo Christidis ist deshalb bewusst nicht auf Fahrzeugtechnik oder eine einzelne Branche beschränkt. Ideen und Fragestellungen können ihren Ursprung in ganz unterschiedlichen Bereichen haben.

Designing Vision.

Prototypo Christidis transformiert Gedanken in technische Klarheit.
Dort, wo Denken Form gewinnt und Präzision ihren Ursprung findet.

Entscheidend ist, den richtigen Weg zu kennen.

Eine Aufgabe zu lösen setzt nicht voraus, alles selbst zu wissen oder zu können. Entscheidend ist zu erkennen, welche Fragen gestellt werden müssen, welches Wissen gebraucht wird und welcher Weg zu einer überzeugenden Lösung führt.

Dieser Weg kann ganz unterschiedlich aussehen. Er kann über die eigene Konstruktion führen, über die Erfahrung eines spezialisierten Fertigungsbetriebs, über besondere technische Einrichtungen oder in die Zusammenarbeit mit Universitäten.

Prototypo Christidis ist deshalb bewusst klein und kompakt aufgebaut. Kurze Wege und direkte Entscheidungen geben uns die Freiheit, unterschiedliche Möglichkeiten zu verfolgen und dort mit spezialisierten Fachleuten, Unternehmen, Prüfeinrichtungen oder Universitäten zusammenzuarbeiten, wo eine Aufgabe es verlangt.

Nicht alles muss unter einem Dach entstehen. Entscheidend ist, die richtigen Möglichkeiten zusammenzubringen.

Unabhängigkeit bedeutet für uns deshalb nicht, alles selbst machen zu müssen. Sie bedeutet, entscheiden zu können, welchen Weg wir gehen..

Warum DynClass MOTORS einen eigenen Namen bekam.

Die Verbindung zur klassischen Fahrzeugtechnik reicht weit zurück. Trotzdem sollte sie Prototypo Christidis nicht auf einen einzigen Bereich festlegen.

Deshalb bekam sie eine eigene Identität:

DynClass MOTORS.

Unter DynClass MOTORS wird die klassische Fahrzeugtechnik gebündelt und weiterentwickelt. Hier trifft meine persönliche Verbindung zu diesen Fahrzeugen auf die Arbeitsweise von Prototypo Christidis: eine Aufgabe verstehen, Zusammenhänge erkennen und daraus einen technisch überzeugenden Lösungsweg entwickeln.

Das Wastegate war dabei der Anfang – nicht die Grenze. Aus diesem ersten Projekt entwickelte sich DynClass MOTORS als eigene Linie für klassische Fahrzeugtechnik. Prototypo Christidis selbst bleibt offen für Ideen, Fragestellungen und technische Aufgaben weit darüber hinaus.

So kann sich DynClass MOTORS ganz auf klassische Fahrzeugtechnik konzentrieren, während Prototypo Christidis offen bleibt für Ideen und Aufgaben weit darüber hinaus.

Und damit schliesst sich ein Kreis, der mehr als vier Jahrzehnte zuvor mit einer Alfetta aus Metall und einem kleinen Hammer begonnen hatte.